Marchivum Mannheim


Geschichte multimedial

Von außen sieht man dem trutzigen Bunkergebäude nicht an, dass innen zwei ganz besondere Ausstellungen auf die BesucherInnen warten: „Typisch Mannheim“ – Thema Stadtgeschichte und „Was hat das mit mir zu tun?“ eine Ausstellung zur NS-Zeit. Besonders daran ist, dass es nahezu keine Exponate zu sehen gibt. Beide Ausstellungen sind rein multimedial aufgebaut.


„Typisch Mannheim“

Im ersten Raum steht ein dreidimensionales Stadtmodell, dass durch vier Beamer von oben mit unterschiedlichen Animationen passend zur Zeitachse der Geschichte bespielt wird. An der Frontwand wird über die gesamte Raumbreite ein Film gezeigt, der sich in ansprechenden Animationen der wechselvollen Geschichte der Stadt Mannheim widmet. Originaldokumente, Stiche, Karten und Zeichnungen wechseln sich ab. Eine kompakte, leicht verständliche Einführung in die Stadtgeschichte, die sofort neugierig macht auf die nächsten Räume.

Ein echtes Highlight dort ist eins der ersten Benzinautos (Benz Patent-Motorwagen), das eher einem Kutschbock ähnelt. Drauf kann man Platz nehmen und eine virtuelle Stadtrundfahrt durch das Mannheim vergangener Tage machen. Gesteuert wird das Gefährt durch eine kleine Kurbel vorne. Die historische Stadtkulisse zieht auf einer gebogenen Projektionsfläche vorbei, die fast das gesamte Gesichtsfeld abdeckt. Die Inhalte „erfährt“ man, indem man den Wagen durch verschiedene Ziele steuert. Dieses spielerische Element macht Spaß und steht exemplarisch für viele weitere Stationen, an denen BesucherInnen jeden Alters die Geschichte Mannheims erkunden können.


Fazit

Einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlässt der Raum mit dem Wagen und der Projektion. Warum? Diese Kombination aus dem realen und benutzbaren Ausstellungsobjekt und der Panoramaprojektion mit Fahrspiel weckt den Erkundungstrieb und fordert Geschicklichkeit beim Manövrieren. Ein bisschen Autoscooter-Feeling, das nicht nur jungen Besuchenden gefällt. Nebenbei erfährt man viel über die Stadtgeschichte. Die aufwändige immersive Installation bringt hier einen echten Mehrwert für die Vermittlung.


Besucht: Oktober 2024

„Was hat das mit mir zu tun?“

Die Ausstellung zur NS-Zeit in Mannheim arbeitet an mehreren Stellen mit immersiven Projektionen. Die Räume sind schwarz gestrichen. Zahlreiche Touchscreens ermöglichen es, verschiedene Themen teilweise in drei Vertiefungsebenen zu recherchieren. Die Informationsdichte ist sehr hoch. An einer Station kann man Biografien von sechs Zeitzeugen auswählen. Die Texte werden von SchauspielerInnen, die auch im Bild agieren, gesprochen. Originalfotos, Filmausschnitte und Plakate auf den drei umschließenden Projektionswänden ziehen die Besucher ins Geschehen. Die Schicksale sind so persönlich und emotional erzählt, dass wir uns ihnen kaum entziehen können.

Am Ende der Ausstellung gibt es einen Quiz-Raum “Democrady!” in Anlehnung an Jeopardy. Zwei Teams können gegeneinander antreten. Auf einer Monitorwand können Fragenbereiche ausgewählt werden. Dabei geht es um demokratische Werte. Dieser Quiz-Raum ist besonders für das jüngere Publikum interessant, da der Wettkampf dazu motiviert, alle angebotenen Inhalte aufzurufen und dazu Stellung zu nehmen.


Fazit

Die Herausforderung bei einem solch komplexen Thema besteht darin, Inhalte in Geschichten zu verpacken und möglichst eindrucksvoll zu vermitteln. Story telling - medial! Beinahe ohne Exponate beeindruckt die Ausstellung durch vielfältige Medieninstallationen in weitgehend dunklen Räumen. Sie erzeugt eine Atmosphäre der man sich kaum entziehen kann, so dass die Neugier auf weitere Informationen, Bilder, Filme über eine lange Strecke aufrecht erhalten wird. Wichtig, besonders für eine junge Zielgruppe und Familien. Das Spiel am Ende im Stil einer Fernsehshow ermöglicht eine Reflexion der Erfahrungen aus der Ausstellung. Eine nahezu rein medial gestaltete Ausstellung, die Vorbildcharakter hat.


Besucht: Oktober 2024